Sonntag, 7. Oktober 2018

Deutschland, Österreich und die Schweiz - Es ist schön wieder zuhause zu sein

Herzlich werden wir von Hannahs Eltern und ihrer Schwester in München empfangen. Sie selber ist noch an einer Geburtstagsfeier und stösst später dazu. Wir wollen das Wochenende mit ihnen verbringen. Gemütlich sitzen wir noch lange zusammen. Am kommenden Tag gehts auf Wunsch der Kinder auf einen Reiterhof. Wir bestaunen die vielen Ponys. Essen lecker. Und geniessen die kalten Sonnenstunden auf dem Spielplatz. Später wird Pony geritten. Spaghettiplausch zum Abendessen. Es regnet unterdessen stark. Im Haus stört uns das Wetter nicht gross. Wir durften uns im obersten Stock einrichten und geniessen die beheizte Wohnung und den vielen Platz. Ganz in Vorfreude auf unser Zuhause. Die Kinder machen nach einer Dusche noch lange in ihren Pijamas das Haus unsicher. Hannah schenkt Kian ihren Plüsch-Frosch, welchen er nicht mehr hergibt. So viele neue Spielsachen für unsere Jungs. Sie fragen aber bald mal nach, wo denn die Autos neben all den Pferden und Prinzessinnen blieben. Und stürzen sich beide auf den Handwerkskoffer. Als die Kinder endlich im Bett sind folgt der Spieleabend für die Eltern. Sobald die Sonne rauskommt gehts zum BeerenCafé . Ein toller Ort. Mit grossem Spielplatz. Traktoren. Pferdeattrappen. Vielen Bobbycars zum ausprobieren und Wettrennen fahren. Ein gemütliches Café für die Eltern. Und man kann nebenbei erst noch leckere supersüsse Beeren kaufen.
Die Rasselbande.
Leider ist auch der Badebereich noch in Betrieb, was wir zu spät entdecken mussten. Shayan hat schon nach 10 Minuten das erste Mal die Kleider (inkl. Schuhe) komplett wechseln müssen. Bei viel Wind wird über Gott und die Welt diskutiert. Und Bioeis gegessen. Das Schlangenbrot zum Bräteln am Lagerfeuer war leider erst später verfügbar. Viel zu schnell gehts ans Verabschieden. Wir werden uns hoffentlich bald wiedersehen. Bei der Therme Bad Aibling bleiben wir auf dem Stellplatz (10€). Wir sind nicht die einzigen und können bei unserer Ankunft am späten Nachmittag gerade noch den letzten Platz ergattern. Wir machen einen kurzen Spaziergang dem Fluss entlang. Auf Schatzsuche. Es windet stark. Eicheln prasseln im Sturm auf unser Wohnmobildach hernieder. Am Morgen fällt das Thermometer das erste Mal seit langem unter 10° Celsius. Wir überqueren die Grenze zu Österreich. Ohne es zu merken. Bei Werfen sehen wir uns das Haus steht Kopf an (19€). Es wird einem beim Betreten schwindlig. Die Kinder sind fasziniert und fragen ob das Haus durch den Sturm von letzter Nacht auf dem Kopf steht. Wir machen lustige Fotos.
Kian demonstriert seine Superkräfte.
Da das Wetter noch immer schlecht ist zieht es uns noch in das nebenanliegende Tropenhaus (10€). Dort können wir Papageien füttern. Besser, wir werden von hungrigen Papageien belagert. Schnell haben wir Erwachsenen zur Freude der Kinder Papageien auf der Schulter, dem Arm. Und im Haar. Sie klauen uns unsere Futterschalen in einem unachtsamen Moment. Die restlichen Bereiche mit Schmetterlingen und anderen Insekten sind dann total vernachlässigt. Tote Insekten liegen in ihren Exkrementen. Es hat mehr Futterinsekten als eigentliche Anschauungsexemplare. Kakerlaken rennen überall auf dem Boden umher. Schnell verlassen wir entsetzt das Gebäude. In Hall essen wir in der schönen Altstadt was zu Mittag. Die UCI Strassenrad WM ist in vollem Gange und einige Strasse gesperrt. Auf dem Camping Hall direkt im Ort bleiben wir. Die Sonne scheint. Aber die Temperaturen sind noch immer gewöhnungsbedürftig. Wir sind auf Schatzsuche durch die Altstadt. Es ist immer wieder toll, wieviel Wissenswertes man mittels Geocaching über die besuchten Orte erfährt. Ein entspannter Abend mit Gesellschaftsspielen im Wohnmobil. Die Heizung läuft. Über den Brenner fahren wir in Richtung Süden. Der Wärme entgegen. Bei den BBT Tunnelwelten können wir das grosse Eisenbahntunnelprojekt bestaunen. Das Museum ist sehr interaktiv gestaltet und auch unsere Kinder haben spielerisch viel über Tunnels lernen können. Wir sind die einzigen weit und breit. Im Hintergrund die Schneeberge. In Steinach essen wir was kleines zu Mittag. Bei den Temperaturen und Sonnenstrahlen, den Häusern im Chaletstil und der Bergkulisse fühlen wir uns wie in den Skiferien. Auf geht es ins Südtirol nach Italien. In Bozen ist dann nicht nur alles voller Äpfel sondern auch voller Campeure. Nur mit Müh und Not finden wir noch einen Platz auf dem weit entfernten Aplin Fitness Waldcamping in Völlan. Erhöht gelegen und auf der Schattenseite. Die Apfelernte ist in vollem Gange. Wir geniessen die Aussicht. Auf Burgruinen. Apfelplantagen. Bis um die Mittagszeit steigt das Thermometer nicht über 10° Celsius. Wir sind auf der Suche nach der Sonne. Laufen durch die Apfelplantagen. Finden Walnüsse zum Knacken und Essen.
Vor Ort geknackt schmecken sie am besten.
Viele Restaurants haben heute Ruhetag. Und im ganzen Ort lässt sich kein Café finden. Und so besteht unser Mittagessen dann gezwungenermassen aus Äpfeln (selbstverständlich vom Boden aufgehoben). Später rösten wir Esskastanien im Wohnmobil. Auf dem Camping stampfen sie gerade die geernteten Trauben zu Saft. Shayans zweiter Fingernagel hat sich nun auch noch abgelöst. In Bozen im Südtiroler Archäologiemuseum lernen wir viel über Ötzi und seine Zeitgenossen. Und sehen ihn in seiner Kühlbox liegen. Nicht nur die Kinder sind begeistert. Später schlendern wir noch durch das hübsche Städtchen. In einer typischen Beiz gibts was deftiges zu Mittag. Da Shayan ein wenig kränkelt, beschliessen wir früher als geplant mit dem Bus zurück zum Wohnmobil zu fahren. Wir wollen am Kalterersee unser Glück versuchen. Der Weinstrasse entlang gehts an den malerisch gelegenen See. Aber auch hier sind bereits sämtliche Campingplätze voll. Und so telefonieren wir uns am späten Nachmittag durch die Campingplätze der Umgebung um schliesslich am Gardasee einen Camping mit freien Plätzen zu finden. Auf dem Camping Cisano gehts mit dem Golfwägeli zur Platzbesichtigung. Die Kinder haben noch lange von der Fahrt gesprochen. Wir erhalten einen (schiefen) kleinen Platz dafür direkt in erster Reihe am Strand. Die Lage ist super. Und der Sonnenuntergang auch. Die Kinder geniessen den eigenen Sandkasten (respektive Liegestrand). Dem See entlang laufen wir (zusammen mit vielen anderen) nach Bardolino. Viele Touristen brutzeln in der Sonne. Es scheint mittlerweile jeder ein E-Bike zu haben. Luxusmotorboote werden gewaschen und zu Wasser gelassen. In den noblen Restaurants werden Austern verzehrt. Wir füttern die Enten und Schwäne. Und essen was kleines in der Badi. Wieder zurück geniessen wir die wärmende Sonne auf dem Campingeigenen Spielplatz mit Piratenschiff und vielen Deutschsprachigen Kindern. Es folgt eine laue Nacht. Am nächsten Tag fahren wir mit den Fahrrädern los. Bereits in Lazise müssen wir jedoch einsehen, dass man am See nicht weit kommt. Ein hübsches Örtchen. Aber komplett überlaufen. Unter Weinreben essen wir unterdurchschnittlich zu Mittag. Viel besser hat uns das Glacé zum Dessert auf einer Mauer unter einem Granatapfelbaum geschmeckt.
Nach dem Gelato ist vor dem Gelato.
Die Bänke zum Sitzen waren alle schon besetzt. Sehen Sportfischern zu. Enten schlafen auf den parkierten Fischerbooten. Auch den nächsten wunderschönen Tag verbringen wir auf den Fahrrädern. Zum Mittagessen haben wir eine tolle Crêperie gefunden, welche nur von Einheimischen besucht ist. Uns zieht es langsam weiter in Richtung Milano. Dort empfängt uns die Nonna auf dem Bauernhof und Stellplatz Podere Ronchetto (17€). Moskitoalarm. Shayan ist der leidtragende. Schon bald beginnt es zu regnen. Die Hühner schlafen im Stromkasten. Der Hahn verbringt die Nacht auf dem Baum neben unserem Wohnmobil. Entsprechend geruhsam war unsere Nacht. Zumindest die Glocken der nahestehenden Kirche klingen wunderschön. Der Morgen verspricht tollstes Wetter. Mit dem Tram fahren wir zum Duomo. Der Herr neben uns hatte kein Ticket und flüchtet vor den Kontrolleuren. Die Touristen stehen Schlange. Wir nicht. Wir horchen dem Orgelspiel im Innern. Und die Kinder begutachten genau, wie das Militär jeden einzelnen vor dem Einlass durchleuchtet.
Touri-Foto(-Versuch).
Durch die Galleria Vittorio Emanuele gehts in den Ferrarishop. Dort sehen wir einem Mann bei einer Simulationsfahrt zu. In einer Bäckerei essen wir zu Mittag. Es hat nicht einmal für alle noch einen Sitzplatz gehabt. Schlechte Beschilderung mit der Metro auf dem Weg zum Parco Sempione. Dort sind wir auf Schatzsuche. Polizisten auf Fahrrädern nehmen gerade einen Verdächtigen auseinander. Mit Sicht auf das Castello Sforzesco geniessen wir in der Sonne ein Gelato. Shayan hat sich wieder sämtliche Mückenstiche aufgekratzt. Die Bauerntochter kommt zum Spielen vorbei. Wir kaufen im Hofladen Nudeln, Tomatenpaste und Risottoreis aus eigener Bio-Produktion. Den haben wir auf den umliegenden Feldern gesehen. Die Kinder zählen die Nächte bis wir zurück zu Hause sind. Jeden Morgen wird eine Nacht gestrichen. Heute bereits gehts für uns in die Schweiz. Es ist schön sonnig. Und plötzlich geht Shayan wieder selbständig aufs Klo. Wir sind zuversichtlich. Neben der Autobahn nach Chiasso sehen wir ein Gartenhäuschen im Vollbrand. Die Jungs beschäftigt der Brand sehr. Es wird immer wieder Feuerwehrmann gespielt. Und viele Fragen gestellt. Am Zoll wird Omid herzlich von der Italienischen Zollbeamtin in die Schweiz verabschiedet (ohne MWST Rückforderungsstempel). Wir kramen unsere Schweizer Franken heraus und kaufen die Autobahnvignette. Und da ist sie: d’Migros. Wir decken uns mit Schoggijoghurt, Bratwurst, Krustenkranz, etc. ein. Direkt neben unserem Camping Lugano Lake in Agno (42 CHF). Entgegen unseren Erwartungen hat es noch ausreichend Platz. Das Wetter passt. Flugzeuge starten und landen direkt über unseren Köpfen. Auf dem Spielplatz zeigt uns Kian sein Können beim Hangeln. Wir basteln Schwerter und Bogen aus Holz. Und so wird fleissig Bogenschiessen geübt. Von den einen. Die anderen sind mit dem Bogen zufrieden und spielen Ötzi. Die Kinder knüpfen schnell Kontakte zu den Berner Kindern, welche bereits Herbstferien haben. Mit dem Zug fahren wir nach Lugano. Wir haben das Ticino Ticket erhalten, welches zur freien Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Region einlädt. Mit der Seilbahn gehts runter an den See. Von dort bummeln wir durch die Stadt. Sehen Rasenmäher. Staunen über die Strassenstaubsauger. Leider fängt das Herbstfest erst morgen an. Sehen die tollen Häuser der Nassa-Strasse. Mit Sicht auf den See gibt es auf einem Bänkli was kleines zu Mittag. In Agno bleiben wir noch lange auf dem Spielplatz. Shayan findet eine Broschüre, in welcher ein Kaugummi klebt. Leider haben wir das erst bemerkt, als er bereits genüsslich auf dem (vorgekauten) Kaugummi kaut. Über den San Gottardo befinden wir uns auf dem Weg in die Deutschschweiz. Spontan sehen wir uns die Militäranlage Sasso da Pigna an. Haben das dazugehörige Tickethäuschen per Zufall beim Beine vertreten auf der Passhöhe entdeckt. Sehr eindrücklich. Sehr kalt. Grosser Salzkristall. Kanonen. Spannende Relikte vergangener Zeiten. 25 CHF. Wieder an der Wärme draussen essen wir am klaren See eine (teure) Bratwurst.
Bratwurst (mit Senf) bei starkem Wind.
Wir hören Radio SRF3+ auf der Weiterfahrt. Zumindest ausserhalb der Tunnels. Für 45 CHF übernachten wir die letzten Tage unserer Reise im Lido Camping Luzern. Ein hübsches Plätzchen. Tolles Wetter. Die Eicheln fallen mit einem lauten Knall aufs Wohnmobildach. Wir bleiben länger als eingeplant auf dem schönen Lidospielplatz. Danach laufen wir auf Ahnenforschung zum Friedhof der Hofkirche. Danach gehts durch die Altstadt. Wir lauschen den Strassenmusikanten. Essen beim Thai superlecker zu Abend. Kian freut sich zu später Stunde noch unterwegs zu sein. Und ab den Doppelgelenkbussen. Beide Kinder verschlingen ihre Playmobilwerbehefte aus dem Manor.
Es braucht nicht viel für ein gemütliches Znacht.
Es ist Herbstmesse in Luzern. So verbringen wir den ganzen nächsten Tag auf dem Festgelände. Stöbern durch die Stände. Essen viel zu viel Nutellacrêpes und Zuckerwatte. Baba verzichtet zu Gunsten von einem Raclette lieber auf Süsses. Schatzsuche. Am Nachmittag treffen wir Simone eine gute Freundin von Alice und machen ein Wettrennen auf der Megarutsche. Glace für alle gibts bei Bachmann. Wir laufen der Seepromenade entlang von Spielplatz zu Spielplatz. Geniessen die Sonne und die guten Gespräche. Und schon neigt sich unser letzter Reisetag seinem Ende. Morgen bereits werden wir zurück in Effretikon sein. Wir freuen uns auf bekannte Gesichter, auf viel Platz. Die eigene Waschmaschine und Abwaschmaschine. Unser Bett. Und eine Dusche im (warmen) Haus. Shayan wird sich als erstes auf den Playmobilhelikopter stürzen. Und Kian werden wir wohl die nächsten Tage nur noch auf seinem Bobby-Car antreffen.

Freitag, 21. September 2018

Ferien auf dem Bauernhof - Von der Weide zur Wiesn

Als wir den Hof der Familie Kurz in Waldhausen erreichen werden wir herzlich vom Opa Kurz empfangen. Sofort zeigt er uns den Hof. Es hat Hasen, Schweine, Kühe, Katzen, Hühner und eine Gans. Ein Spielzimmer. Ein Trampolin. Verschiedene Bobby Cars. Einen Ping-Pong Tisch und Federball. Ein Paradies für die Jungs. Und Fliegen… Wir drehen gleich eine Runde zum Schwimm und Forellenteich in der Nähe. Sehr anstrengend mit dem vierer Pedal-GoKart. Die leckeren Apfelsorten sind leider noch nicht reif und so müssen wir uns noch ein wenig auf frisch gepressten Apfelsaft gedulden. Dafür dürfen wir bei der Zwetschgenernte zusehen. Und kräftig mitnaschen. Es gibt immer etwas zu tun und zu sehen. Abends sitzen wir mit dem Besitzerpaar in der Grillhütte zusammen am warmen Lagerfeuer. Der Mann hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall. Nun hat die Tochter das Zepter im Stall übernommen. Die Mutter ist für die Ferienwohnungen und den Camping zuständig. Alle helfen mit wo sie können. Am nächsten Tag können wir bereits die Hasen füttern. Immer wieder sammeln die Jungs eigenständig Löwenzahn und “opfern” ihre letzten Karotten für die zuckersüssen Tiere. Es hat sechs Junge welche vor wenigen Tagen geboren und sogar zwei Junge welche am Tag unserer Ankunft geboren wurden. Die Kinder wollen die Hasen nicht mehr von ihrem Schoss weghaben. Wir schauen interessiert beim Reinigen des Kuhstalls zu und abends beim Kühemelken.
Und endlich kamen die Kälber dran.
Eine der Katzen weicht nicht mehr von Kians Seite. Und auch wenn er mal von ihr gekratzt wurde. Den Kindern fällt der ungewohnt nahe Umgang mit den Tieren immer leichter. Wir entspannen in der Hängematte und lassen die warmen Sonnenstrahlen auf uns einwirken. Baba und Mami spielen Ping-Pong. Bestellen einen Striezel, welcher dann enttäuschend anders (=süss) schmeckte wie erhofft. Die Katzen fangen Mäuse, welche danach überall auf dem Hof herumliegen. Die Jungbäuerin ignoriert unsere Einladungen ihr zu helfen. Die Kälber müssen noch gefüttert werden. Kian fasst dabei mit beiden Händen an den Elektrozaun. Das wird er sein Leben nicht mehr tun. Ein Heissluftballon am Himmel. Die Grosseltern haben in der Zwischenzeit 125 Forellen gefangen, ausgenommen und ausgeliefert. Das sind Tage. Wir sind gerade am Gnocchi essen, da meint Shayan, er werde jetzt der Katze diese “Pinocchios” verfüttern.
Nun hat es keinen Löwenzahn mehr rund ums Wohnmobil.
Kian darf mit dem Traktor mitfahren um neues Heu beim nahen Silo für die Kühe zu holen. Eine Deutsche Familie mit gleichaltrigen Kindern kommt auf den Hof zum Campieren. Sie sind wie seit Jahren auf dem Rückweg vom Balaton. Am Lagerfeuer geniessen wir Schokobanane wie in Pfadizeiten. Kian isst der Familie alle Käsekrainer weg. In der Ferne sehen wir ein Militärmanöver. Heute ist Maishäckseltag. Es wird Maissilage als Futter für die Kühe gemacht. Seit Tagen war es das Thema. Gebannt sehen wir zu. Der Maishäcksler ist da. Die riesen Ballenpresse hat direkt vor unserem Wohnmobil parkiert. Kian darf eine Runde mitfahren. Und hat danach viel zu erzählen. Baba möchte auch. Vorher muss der Häcksler aber noch zwei Mal repariert werden, bis er auch die Gelegenheit hat mit Shayan mitzufahren. Der Metzger kommt im Verkaufswagen vorbei. Unsere Campingnachbarn haben beinahe den ganzen Stand aufgekauft. Omid probiert deren E-Bike aus, um im Nachbarort noch einige Einkäufe zu tätigen. Und ist begeistert. Abends wird Kuchen gebacken. Bis spät in die Nacht sitzen wir am Lagerfeuer. Heute ist Kians Geburtstag. Er ist entsprechend früh auf. Die Dekorsmarties haben nicht lange überlebt. Er hat viel Freude an seinen neuen Legos “für Grosse”. Shayan freut sich die Duplos nun für sich ganz alleine zu haben. Noch vor dem Frühstück wird der erste Offroader gemäss Anleitung zusammengebaut.
Auf diesen Moment hat Baba schon lange gewartet.
Es folgen Telefonate mit seinen Liebsten. Bei Regenwetter fahren wir nach Gmünd ins Sole-Felsen-Bad. Auf dem nahen Campingplatz richten wir uns ein und laufen dann gleich rüber ins Bad. Wir bleiben den ganzen Nachmittag. Herrlich warmes Wasser. Flussbad. Wasserrutsche. Omid gönnt seinem Nacken eine Massage. Eine Ellbogenmassage hätte es aber nicht sein müssen. Zurück im Wohnmobil essen wir (zu)viel Kuchen und bauen Legos zusammen. Schön im Warmen. Die Temperaturen sind um über 10° Celsius gefallen. Zum Abendessen gibt es geräucherte Forelle, welche wir beim Opa Kurz gekauft hatten. Als die Kinder schlafen geniesst Omid noch die letzten Stunden des Tages in der Saunalandschaft. Und schon befinden wir uns auf dem Weg nach Au an der Donau. Ein schön gelegener Campingplatz. Mit einem noch schöneren Spielplatz. Mit Hamsterrad und Karrussel. Passend zum Wetter und in Vorfreude auf München verspeisen wir Weisswürste mit Brezen. Und Bier. Die einen. Ein schöner Herbsttag neigt sich seinem Ende zu. Wir sind auf Fahrradtour der Donau entlang.
"Achtung Baba ich chumä!"
Auf Schatzsuche. Frachtschiffe passieren uns. Die Kinder im Maul von Doni dem Fisch. Auf der Aussichtsplattform. Zurück beim Camping gibts was kleines zu Mittag. Den Nachmittag verbringen wir (Eltern) mit Sünnelen auf dem Spielplatz. Und schon sind wir wieder am Lego bauen. Eine Rakete. Einmal zusammengebaut dürfen sie vom Bruder nicht mehr angefasst werden. Die Rentner auf dem Platz freuen sich ab ein wenig Action. Stinkkäfer werden von den Kindern geärgert. (Bereits welke) Sonnenblumen im nahen Bachbett gepflückt. Und als Waffe missbraucht. Seit heute mag Shayan nur noch warme Milch. Es ist neblig am Morgen. Wir machen einen Ausflug zum Keltendorf in Mitterkirchen. Hier wurden Keltengräber gefunden und ein Dorf nachgebaut. Wir machen die Führung mit einer Schulklasse mit. Zum ersten Mal sind nicht unsere Kinder die Lautesten. Wir lernen viel. Können Schaffell zu Faden spinnen. Aus Lehm formen wir Vasen. Zu Mittag gibts Gulaschsuppe und Linseneintopf mit selbstgebackenem Fladenbrot. Shayan möchte sich nicht mehr vom grossen Einbaum trennen.
Es musste unbedingt eine Vase in Form eines Bären sein.
Im Dorf bestaunen wir die Hochwassermarken. Später fahren wir noch ein wenig Fahrrad. Süsses Nichtstun am Nachmittag. Und noch mehr Kuchenessen. Am Abend bräteln wir am Fluss. Natürlich hat unser Feuerzeug genau heute seinen Geist aufgegeben. Schwäne fliegen über uns. Kian geniesst sein Hörbuch auf der Picknickmatratze mitten in der Wiese.
Heute steht Geschichte auf dem Programm. Wir stehen ehrfürchtig vor den Toren des Konzentrationslagers Mauthausen. Schreckliches ist hier geschehen. Der iPhone-Audioguide lässt keine Details aus. Zurück auf dem Camping kann uns Shayan gerade noch mitteilen, dass er die Hosen voll hat, bevor er noch während dem Wickeln erschöpft einschläft. Erneut fahren wir mit dem Velo der Donau entlang. Und verabschieden uns vom Spielplatz. Uns zieht es weiter nach Salzburg zum hübschen Camping Nord Sam (34€). Es sind plötzlich einige Schweizer unterwegs. Unsere Kinder machen alleine den Spielplatz unsicher. Wir geniessen derweil die Sonne. Mit dem Bus gehts noch am Abend für einen ersten Eindruck in die Innenstadt. Morgen beginnt der Rupertikirtag. Überall Menschen in Tracht. Chilbistände. Tolle Sicht auf die Festung. Ein riesen Polizeiaufgebot. Es findet ein “informeller” EU Gipfel statt. Sämtliche wichtigen Staatsmänner und -Frauen sind unterwegs mit ihrer Entourage. Alle drei Jungs kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Gepanzerte Audis/BMWs mit verdunkelten Scheiben. Polizei-Motorräder-Eskorte. Alle mit den Landesflaggen gekennzeichnet. Helikopter am Himmel. Polizei an jeder Ecke. Mit Waffen. Wir sind auf Schatzsuche während wir gemütlich durch die hübsche Stadt schlendern. Am Geburtshaus von Mozart vorbei. Beim Inder essen wir zu später Stunde sehr lecker zu Abend. Kian liebt es im Dunkeln unterwegs zu sein. Auf dem Nachhauseweg laufen wir in eine Demonstration hinein. Der Bus fährt dank dem Gipfel nicht nach Fahrplan. Aber er fährt dann doch schlussendlich irgendwann. Shayan ist sofort eingeschlafen. Kian zählt die Sterne. Den ganzen nächsten Tag verbringen wir in der Stadt. Es herrscht noch immer grosses Polizeiaufgebot. Strassen werden gesperrt und wieder geöffnet. Die Kinder dürfen sich eine Chilbibahn aussuchen. Kian sucht sich noch eine zweite aus und zahlt selber mit seinem Portemonnaie. Shayan fliegt im Kreis und jauchzt vor Vergnügen. Wir essen viel ungesundes.
Mami gäll das isch e Tuba?
Mit der Festungsbahn gehts in Sekundenschnelle zur Festung Hohen Salzburg hoch. Im Kräutergarten suchen wir einen Schatz. Bestaunen das Fürstenzimmer. Und lauschen der Entwicklung einer der grössten Festungen Europas. Später kommt noch der Litauische Präsident zur Führung vorbei (hören wir die indiskreten Mitarbeiter sich austauschen). Wieder zurück auf dem Jahrmarktsgelände gibts Glacé für alle. Nach einem Abstecher zum Spielplatz sind wir als es bereits eindunkelt zurück auf dem Campingplatz. Die Jungs spielen noch lange mit dem neu eingetroffenen Mädchen aus England. Es waren nicht unsere Jungs deren Geschrei durch den Platz zu hören war. Über die Deutsche Grenze gehts nach Berchtesgaden. Wir besichtigen dort das Salzbergwerk. Mit der Stollenbahn gehts hinein. Die Jungs sind begeistert ein Bergwerkskostüm tragen zu können. Shayan kann aber nicht verstehen, weshalb er keinen Helm tragen muss.
Bergwerksheld - auch ohne Helm.
Das Highlight ist die Bergmannsrutsche. Omid und Kian haben auf den Fotos ganz schön verkrampft ausgesehen. Mit einer Fähre gehts über einen Solesee. Sehr ansprechend gemacht die ganze Führung. Meiner Meinung nach ist nur die Information ein wenig zu kurz gekommen, ab all den Soundeffekten und Lichtanimationen. Auch war die Gruppe mit 50 Menschen zu gross angelegt. Gut, dass wir gerade noch Salz benötigen. So decken wir uns im Shop ein. Am klaren Bach gibts was kleines zu Mittag. Und ein Verdauungsspaziergang führt uns zu unserem 100sten Schatz. Wir befinden uns wie viele andere auf dem Weg nach München. Nicht um das Oktoberfest zu besuchen, sondern um Kians Freundin zu sehen.

Montag, 10. September 2018

Wien - Von Amateur-Dirigenten, Geisterbahn und ganz viel Sachertorte

Es regnet noch immer, als wir in der Nähe von Schloss Schönbrunn herzlich von Omids Cousine und ihrer Mutter empfangen werden. Die Jungs nehmen nach der langen Autofahrt die ganze Wohnung in Beschlag. Schnell flüchten wir trotz Regen nach draussen auf den Spielplatz. Nach einem gemütlichen Abendessen gehen wir zum Schlafen ins Wohnmobil, welches wir direkt vor dem Haus parkieren konnten. Es ist unsere erste Nacht auf einem Parkplatz inmitten von Wohngebiet. Der Nachbar hört noch lange Technomusik. Und bei jedem Auto, welches vorbeifährt wackelt das Wohnmobil. Wir haben trotzdem gut geschlafen. Es regnet die ganze Nacht. Zu Fuss gehts nach dem gemeinsamen Frühstück nach Schönbrunn. Kian meint, in so einem Haus würde er auch gerne wohnen. Wir laufen durch den wunderschönen Park. Treffen viele Jogger. Suchen einen Schatz. Bestaunen den Brunnen. Als es erneut zu regnen beginnt fahren wir mit der U-Bahn zum Karlsplatz. Omids Tante ist eine tolle Stadtführerin. Wir erfahren viel über die Geschichte von Wien und die wichtigsten Gebäude. Wir laufen zum Stephansplatz und bewundern den Stephansdom. Im Museumsquartier essen wir lecker, und gemütlich an der Wärme zu Mittag, währenddem es draussen nur so herunterprasselt. Den Nachmittag verbringen wir in der Innenstadt. Kian fährt Shayan im Buggy herum. Enge Gassen. Barocke Bauten.
Nicht schon wieder ein Foto... 
Im Mozarthaus hat Mozart einige Jahre gelebt. Wir erfahren viel über das Leben des Komponisten. Zurück beim Wohnmobil verabschieden wir uns. Wir werden heute auf dem nahen Reisemobilstellplatz (21€) übernachten. Wir kaufen uns gleich ein Wochenticket (17€) für die Öffis, welches uns erlaubt eine ganze Woche mobil zu sein. Als erstes fahren wir zum Illusionsmuseum, um dort zu erfahren dass jenes genau diese Woche wegen Renovationsarbeiten geschlossen hat. Durch die Innenstadt gehts zur Hofburg. Die Kinder freuen sich ab all der Kutschen. Auf Kians Wunsch gehen wir die Kaiserappartements des Kaisers Franz Joseph und seiner Frau Sisi bestaunen. Mit Audioguides gehts durch die eindrücklichen, aber viel zu heissen Räume. Shayan hört derweil einen Globi und ist zufrieden. Kian versucht sich ab der Nummern. Im Julius Meinl kaufen wir was Kleines (dafür umso teureres) ein und essen vor dem Laden zu Mittag. Gleich neben dem ältesten Klo von ganz Wien. Es sind viele Kinder mit Schultüten unterwegs, welche heute ihren ersten Schultag haben. Bald ist es auch für Kian soweit. In einem Fotoautomaten hat es noch Kredit vom Vorgänger übrig und so machen Kian und Mami noch ein paar Grimassenfotos fürs Wohnmobil. Bei strömendem Regen schlendern wir durch den Naschmarkt. Wir sind fast alleine. Das Angebot haben wir uns diverser vorgestellt. Auch ist er nicht komplett überdacht, wie wir erst angenommen hatten und so gehts schon bald mit der U-Bahn zum Abendessen zu Omids Cousine. Erst zu später Stunde gehts zurück zum Stellplatz. Es ist noch immer nass und kalt. Beim Frühstück entdecken wir einen keimenden Apfelkern im Bütschgi und setzen den Kern gleich in Erde. Der Keimling wird uns von nun an begleiten. Mit der U-Bahn fahren wir zum Hundertwasserhaus. Ein sehr eigenes Wohnkonzept wurde hier ermöglicht. Wir setzen uns auf die Sitzbank davor, lassen das farbenfrohe und begrünte Haus auf uns wirken und lauschen den zahlreichen Führungen um uns herum in den verschiedensten Sprachen. Und lesen den Wiki-Artikel zum Haus. Spontan gehts auf Schatzsuche zum Radetzkyplatz, wo wir im Gasthaus Wild (eher gehoben) zu Mittag essen. Kian möchte lieber Kebap essen. Was er auch so durchsetzt und uns während dem Essen nur zuschaut. Und so sitzen wir wenig später noch alle zusammen vor dem Dönerstand und schauen Kian dabei zu, wie er seinen Dürüm-Kebap verdrückt.
Wo ein Wille ist, da ist auch ein Döner.
Wir wollen ein wenig mit der alten Strassenbahn fahren und landen per Zufall am Prater. Besuchen den Spielplatz. Sammeln die Marronis vom Boden ein. Sehen die Liliputeisenbahn vorbeifahren und suchen noch einen Schatz. Wir essen Zuckerwatte im Vergnügungspark, wo sich jeder dann noch zwei Attraktionen aussuchen darf. Shayan hat nicht besonders viel Auswahlmöglichkeit. Er ist aber sehr zufrieden mit der Fahrt auf dem Kinderkarrussel (d.h auf dem Feuerwehrauto!) und der Fahrt mit Baba auf dem Autoscooter. Es ist uns gerade recht, dass die beiden dabei die einzigen Fahrer auf der Bahn sind. Da wäre Kian auch gerne mitgefahren. Kian darf dank seiner Grösse von über 1.10 Meter auf die Wasserbahn und möchte zudem noch eine Geisterbahn sehen. Seine erste. Er zeigt sich nicht sonderlich beeindruckt. Die wirklich tollen Bahnen waren leider erst ab 8 Jahren zugelassen.
Fake!
Als Abschluss gibts für alle ein Glacé. Und zurück gehts zum Wohnmobil. Sobald angekommen beginnt es zu regnen. Den ersten Sonnentag seit Tagen verbringen wir im Tierpark Schönbrunn (20€). Ein sehr grosszügig angelegter Zoo. Hier darf sich beim Eingang jeder ein Tier aussuchen, welches er unbedingt sehen möchte. Um alle Tiere zu sehen wird ein Tag nicht ausreichen. Kian wählt die Raubtiere. Shayan das Krokodil. Baba die Koalabären. Und Mami die Pandabären. Wir verbringen den ganzen Tag im Park.
Schon vor dem Eingang treffen wir den ersten lustigen Vogel.
Zum Zvieri treffen wir Omids Cousine und ihre Mama in einem Café ausserhalb des Parks. Mit abgesperrtem Kinderbereich. Und leckerer Kuchenauswahl. Selbstgemachte Limonaden. Wir werden die kommenden Nächte auf dem Camping Neue Donau verbringen. Kian hilft Shayan sich anzuziehen. Nicht nur die Windel. Wir sehen einer Krähe zu, wie sie eine Walnuss immer wieder vom Flug aus auf den Boden fallen lässt, bis jene aufspringt. Eine Familie aus den Niederlanden ist mit ihrer 3-jährigen Tochter 10 Monate durch Europa unterwegs. Die Jungs lieben das neue Spielzeug. Kian fragt nun immer erst, ob jemand deutsch spricht, bevor er sich seinen Campingnachbarn nähert. Mit dem Radl fahren wir der Donau entlang. Wussten nicht, dass die Südseite der Insel nur FKK-Gebiet ist. In einer Imbissbude gibts eine Stärkung. Auch hier sind viele Nackte unterwegs. Kian schafft nun schon steile und weite Strecken ohne Probleme. Wir wollen ihm, wenn wir wieder zuhause sind unbedingt ein Fahrrad mit Gangschaltung kaufen. Shayan ist derweil in seinem Velositz auf dem Gepäckträger von Baba eingeschlafen. Lange haben wir uns auf persisches Essen gefreut. Aber immer wieder enttäuscht feststellen müssen, dass in den bisher bereisten Ländern die Auswahl an persischen Restaurants gering oder gar inexistent ist. So verabreden wir uns zum Mittagessen mit Omids Cousine und ihrer Mutter im Restaurant Apadana. Sehr authentisch. Gemütlich. Natürlich haben wir viel zu viel bestellt. Vom Doggybag konnten wir noch mehrmals essen. Nachher gibts für alle einen Verdauungsspaziergang durch die Innenstadt mit abschliessender Limonade im Palmenhaus. Von aussen schauen die Kinder in das gleich danebenliegende Schmetterlingshaus herein. Und entdecken immer wieder neue Exemplare der schönen Insekten. Für Kian gibts das lang gewünschte Armketteli (bereits ein paar Tage nachher durfte der Gummi das erste Mal ersetzt werden). Vom Rathaus gehts mit der U-Bahn zurück zum Campingplatz.
Die Wiener haben Humor.
Passend zum Wetter essen wir ein leckeres Schweizer Fondue zu Abend. Am nächsten Morgen fahren wir mit den Öffis zum Haus der Musik. Unsere Jungs lieben es schliesslich (möglichst laut) zu singen und zu musizieren. Die Klaviertreppe ist das Highlight. Wir hören tolle Musik im Konzertsaal. Und probieren die einzelnen Musikinstrumentgruppen aus. Die restlichen Experimente sind eher für älteres Publikum gedacht. Wir mussten auch oft anstehen um überhaupt an die Experimente zu gelangen. Auch versuchen wir uns im Dirigieren eines Orchesters. Was immer sehr einfach aussieht, hat sich als sehr anspruchsvoll erwiesen. Die Innenstadt ist voller Menschen. Vor allem Touristen. Es ist Samstag. Kaffee und Kuchen in einem der typischen Cafés. Zum Aufwärmen. Ausgerechnet heute haben wir die Jacken im Wohnmobil gelassen. Es geht ein kühler Wind. Zurück auf dem Campingplatz lernen wir eine Polnisch-Brasilianische Diplomatenfamilie mit gleichaltrigen Kindern, welche momentan in Weissrussland lebt, kennen. Die Kinder verstehen sich auf Anhieb sehr gut miteinander und machen sogleich den Platz unsicher. Omid verabschiedet sich zu Massage und Saunabesuch in die Therme Wien. Kian meint begeistert “Endlich haben wir mal wieder einen Mamitag”. Unser Apfelbäumchen wächst und wächst. Den ganzen nächsten Vormittag verbringen wir mit der Diplomatenfamilie. Wir erfahren dabei viel Interessantes über das Leben in Weissrussland. Mit den Fahrrädern gehts darauf auf Schatzsuche der Donau (diesmal in die entgegengesetzte Nord-Richtung) entlang in die Innenstadt. Wien hat tolle Fahrradwege. Ideal geeignet um auch mit kleineren Kindern gefahrlos durch die Stadt zu fahren. Auf einem grossen Spielplatz auf der Donauinsel bleiben wir länger. Im Praterpark essen wir zu Mittag und treffen Omids Cousine und ihre Mutter zu Kaffee und Kuchen. Powidltascherl. Immer wieder erweist sich die hiesige Sprache als Zungenbrecher.
Kian will hoch hinaus.
Die Jungs sind entzückt ab einem Rollstuhl für Hunde. Dann gilt es sich schon wieder zu verabschieden. Es war eine tolle Woche hier in Wien. Wir werden bestimmt wiederkommen. Zusammen mit vielen anderen Radfahrern gehts zurück zum Camping. Im Lego-Store kaufen wir möglichst unauffällig was Kleines (und vor allem leichtes) für Kians baldigen Geburtstag, währenddem die Jungs zusammen spielen. Natürlich hat er trotzdem den Braten gerochen. Und dann befinden wir uns bereits auf dem Weg aufs Land. Kartoffelernte. Kürbisfelder. Wir wollen die nächsten Tage in Waldhausen auf einem Kinderbauernhof verbringen.

Freitag, 31. August 2018

Aye aye Kapitän - vom Regen in die Traufe im Süden Österreichs

In Feistritz im Rosental bleiben wir auf dem Camping Juritz (41.50€). Die Kinder geniessen die letzten Sonnenstunden auf dem Spielplatz. Laut Kian haben sie hier das beste Trampolin seit Beginn unserer Reise. Leider ist das überdeckte Bad dann doch kälter wie erwartet. Aber es hat eine Geschirrspülmaschine! Wir können es nicht glauben. Und aus irgend einem Grund haben genau wir Jetons für die Maschine erhalten. Shayan kann endlich wieder Laufrad fahren und läuft ohne schützenden Verband herum. Am Abend beginnt es zu regnen. Am kommenden Morgen wird für die Fahrt mit der Dampflokomotive Proviant eingepackt. Pünktlich gehts von Weizelsdorf los in Richtung Ferlach. Immer wieder werden ungesicherte Bahnübergänge mit lautem Pfeifen überquert. Die Kinder können nicht still sitzen. Es ist aber schwierig etwas durch die nassen Fenster zu sehen. Faszinierend dieser Dampf. (16€).
Morgennebel oder Dampf?
An der Endstation besichtigen wir das Museum mit alten Fahrzeugen. Und verlieren Omid im Gewimmel. Für die Fahrt zum Museum konnte man sich zwischen einem alten Linienbus oder Tram entscheiden. Selbstverständlich wollten unsere Jungs beide beides ausprobieren, aber nicht zur selben Zeit. Und dann gehts mit der Dampflokomotive auch schon wieder zurück. Diesmal sitzen wir im vordersten Wagen und können so hautnah erleben wie der Lokomotivführer die Dampflokomotive anfeuert. Noch während der Fahrt hat es wie aus Kübeln zu regnen begonnen. Zum Mittagessen genehmigen wir uns eine Leberkäsesemmel und Linzertorte. Neben uns sitzen fesch gekleidete Hochzeitsgäste in Tracht. Man grüsst mit Grüss Gott. Die Einheimischen sind überzeugt, dass wir hier Ferien machen, weil es billiger ist. Die Schweiz sei doch viel schöner. Hat höhere Berge. Eindrucksvollere Täler. Da keine Wetterbesserung in Sicht ist, beschliessen wir am Nachmittag dem Campingladen Falle in Villach einen Besuch abzustatten. Die Landschaft ist nebelverhangen. Wir ersetzen defektes Geschirr und kaufen Fehlendes. Haben uns entschieden unser Wohnmobil zu behalten, wenn wir zurück sind. Auch der kommende Tag ist regnerisch. So beschliessen wir das Pilzmuseum aufzusuchen. (13€). Immer wieder sind wir bei unseren Wanderungen auf tolle Pilze gestossen und konnten sie trotz Kians Wunsch (Detail: Kian mag eigentlich keine Pilze) nicht mitnehmen, da wir nicht wissen ob diese essbar oder giftig sind. Tatsächlich ist das Museum sehr informativ und einfach erklärt. Und interaktiv. Es gibt auch für die Kinder viel zu entdecken. Ausgestopfte Tiere. Pilznachbildungen. Wir werden aber auch in Zukunft nicht auf eigene Faust Pilze sammeln. Die Spielecke am Schluss des Rundgangs wollten die Kinder nicht mehr verlassen. Vielleicht weil es dort so gemütlich warm war? Kian spitzt alle Farbstifte. Zu Fuss gehts durch Villach. Ein hübsches Städtchen an der Drau. Beim Asiaten essen wir zu Mittag. Und trinken vor allem viel heissen Tee. Die Glückskekse könnten passender nicht sein. Heute Sonntag haben neben den Restaurants leider nur noch die Eisdielen geöffnet. Nach erfolgreicher Schatzsuche (Kian entwickelt sich langsam aber sicher zum besseren Schatzsucher wie wir) gibts für die Kinder ein Glacé. Für ein Schlumpfglacé gibts schliesslich kein unpassendes Wetter. Ein Garten zum Anfassen. Leider sind die Erdbeeren aber schon gepflückt worden.
Pflücken erlaubt - wenn es denn schon was zu pflücken gibt.
Die Rentner fahren in den Süden. Bald fängt die Nachsaison an. Im campingeigenen Restaurant gibts Kaiserschmarren an edel gedecktem Tisch und zu klassischer Musik. Shayan pickt die Rosinen raus. Kian auch, aber weil er sie mag. Omid bestellt voller Vorfreude einen Zweigelt, bekommt dann jedoch einen Weisswein serviert. Unsicher, ob es auch weissen Zweigelt gibt muss er erst googlen und traut sich nicht zu reklamieren. Die Gipfel der umliegenden Berge sind schneebedeckt. Die Heizung läuft über Nacht. Wir bauen Shayans Kindersitz um, weil der Platz am Tisch zu eng geworden ist - er darf nun endlich auch ohne Sicherheitskissen Auto fahren. Und ist mächtig stolz. Kian hilft ihm sich anzuschnallen. Bei der Burg Landskron machen wir die Führung durch den Affenberg mit. Die Affen unterhalten uns prächtig (13€). Und die Kinder erfahren viel interessantes über ihre Lebensweise. Der Spielplatz davor ist aber nicht minder interessant. Kian schmarotzt sich immer wieder auf das Karussell. Ohne auch nur einen Euro ausgeben zu müssen. Zmittag von der Imbissbude, um beim Verdauungsspaziergang merken zu müssen, dass sich keine fünf Gehminuten zur Burg hoch ein tolles Restaurant mit Aussicht befindet. Wir beobachten die Greifvögel, welche dort auf ihren Auftritt in der Flugshow warten. Es gibt bei Sonnenschein ein Glacé mit Aussicht auf den Ossiacher See. Paraglider am Himmel. Wir fahren am Landeplatz vorbei. Dem romantisch ins Tal eingebetteten Weissenbach entlang, bis wir beim Camping Ronacher am Weissensee ankommen. Eine malerische Strecke. Es kommt uns keiner entgegen. Der Camping selber ist gut gefüllt. Und die Besitzerin mag Reglemente. (30€). Wir geniessen die letzten Sonnenstrahlen mit Sicht auf die Dolomiten in der Badi. Schnell wird es am Waldrand kühl. Es ist idyllisch. Und ruhig. Nur unsere Kinder unterbrechen die Ruhe. Die Nachsaison hat begonnen. Der Ostseite des Sees entlang wandern wir zum Hotel Ronacherfels. Zuerst direkt am See entlang, dann etwas erhöht über den Felsen mit seiner tiefsten Stelle. Über Wurzeln an schönen Badeplätzen vorbei. Die meisten sind bereits besetzt.
Idylle am Weissensee.
Picknick am klaren See. Shayan entdeckt die Landjäger für sich. Besser gesagt hat er nur Landjäger zu Mittag gegessen. Einige Wanderer sind unterwegs. Das Wetter passt. Kian liebt es zu wandern. Shayan singt. Er sucht halbe Baumstämme und spielt Feuerwehrmann beim Brandlöschen. Oder Polizist. Besonders aktuell der Sanitäter. Alle haben eine Verletzung. Da hilft nur noch der Sanitäter. Kian spielt momentan gerne Hund. Er isst gelegentlich sogar Essen absichtlich vom Boden auf. Und versucht so wie Hunde zu trinken. Wahrscheinlich gefällt ihm am Besten am Spiel, dass Shayan dabei so herrlich kreischt. Nach einem Glacé (und einem Schluck Wasser - endlich konnten wir unsere Flaschen wieder füllen) gehts mit dem Schiff zurück zum Campingplatz. Wir vergessen dabei unsere Wanderstöcke auf dem Schiff und Kian ist untröstlich (Baba eher weniger). Geniessen das schöne Wetter in der Badi und plantschen im kalten Wasser. Also die Jungs. Wir sitzen auf dem gemütlichen Bänkli davor und geniessen die Aussicht, respektive gute Übersicht. Es sind viele kinderreiche Familien da. Überhaupt hat es erstaunlich viele Zwillingspaare unterwegs. Seit wir in Österreich sind. Wir sind gerade zurück, da treffen Christoph und seine Tochter ein. Christoph will ihr das Zelten näher bringen und hat deshalb beschlossen uns spontan zu besuchen. Das Zelt wurde auf der Anfahrt gekauft. Wir freuen uns sehr. Alle zusammen essen wir im Campingrestaurant Germknödel und Kasnudeln zu Abend. Kian mag die Kasnudeln nicht oder spielt einfach lieber auf dem Spielplatz. Sobald die Sonne untergeht setzten wir uns ins Wohnmobil. Zu gutem Wein wird noch lange diskutiert. Die Kinder spielen zusammen auf dem Bett. Wir verabschieden die beiden nach einem schönen Vormittag in der Badi und mieten uns ein Elektroboot für ein paar Stunden. Die Kinder schauen fasziniert den Tauchern zu. Wir tuckern dem Seeufer entlang. Klar darf jedes Kind auch einmal Kapitän sein. (18€ die Stunde). Schatzsuche vom Boot aus inklusive. Und einem Gaggi in den Robidogbeutel.
Kapitän Kian volle Kraft voraus.
Kian und Omid gehen dann am späteren Nachmittag noch einmal dem Uferweg entlang auf Schatzsuche. Kommende Woche verspricht Regenschauer im Süden und Norden. Und sieht somit ganz nach Städtetrip-Wetter aus. So verwerfen wir unseren Plan noch ein paar Tage in Kroatien am Meer zu verbringen und fahren in Richtung Graz. Die Burg Hochosterwitz kennen wir dank dem Minimundus. Der Aufstieg ist ein Highlight. Also nicht mit dem Lift hochfahren. Vorbei an Wehrtürmen, Zugbrücken. Baumstammtrommel. Falltüren. Oben angekommen gibts für alle was deftiges zu Mittag. Im Museum bewundern die Jungs die Waffen und Rüstungen. Vor allem jene des Burghauptmanns Schenk. Mit dem Lift fahren wir zurück zum Wohnmobil.
Keiner zu klein ein Burghauptmann zu sein.
Auf der Weiterfahrt laufen die Ohre Würm. Sägewerke. Und herrliche Ortsnamen. Zungenbrecher noch und noch. In Graz bleiben wir zentral gelegen auf dem Stellplatz (21€). Der Eisdieler kommt mit seiner typischen Musik. Und da ist er, der Regen. Mit dem Bus fahren wir ins Zentrum (5.30€ für 24h). Von dort gehts zu Fuss zur Schlossbergbahn. Mit der Seilbahn gehts hoch zum Schlossberg. Begleitet von üblen Gerüchen. Wir suchen Schatz um Schatz. Hören dem Glockengebimmel des Glockenturms zu, während wir einen Znüni mit Aussicht verspeisen. Beim Uhrturm, dem Wahrzeichen von Graz sehen wir dem Uhrwerk zu. Zur Viertelstunde tätscht und kracht es dermassen laut, dass der Glockenschlag nicht zu hören ist. Es beginnt zu regnen und wir laufen schnell auf frisch geteerter Strasse hinunter. Wir flüchten in den Stollen. Vorbei an einem Konzertsaal in die Innenstadt. In einer Bäckerei gibts was Warmes zu Mittag. Dann laufen wir der Mur entlang, an Kunsthaus und Murinsel vorbei, zum Kindermuseum Frida&Fred.
Kapitän Shayan noch trockenen Fusses.
Wir halten an einem Musikgeschäft um den Kindern ein Kazoo und einen Eggshaker zu kaufen. Man konnte uns von weit her hören. Im Museum werden gerade wissenschaftliche Experimente kindgerecht erklärt. Die Experimente für die Kleinen bis acht Jahre drehen sich ums Thema Wasser. Eigentlich wollten wir hier vor dem schlechten Wetter fliehen. Nun sind unsere Kinder nässer als zuvor. Aber all die Experimente haben ihnen viel Spass gemacht. Kian staut. Shayan fischt was das Zeug hält. Sie spielen Kapitän, lassen Seerosen erblühen. Erfüllt (und nass) gehts für alle zum Bus. Wir müssen bei starkem Regen Halt unter einer Brücke machen. Ein Fahrradfahrer stürzt und bricht sich den Finger. Kian möchte bleiben, bis die Ambulanz kommt. Es regnet munter weiter. Es geht weiter nach Wien. Zu Omids Cousine.

Freitag, 24. August 2018

Plan C: Montenegro - Klagenfurt einfach

Die Strassen sind in Montenegro merklich breiter als noch in Albanien. In Gusinje finden wir keinen Parkplatz. Wir sehen viele Autos mit Nummernschildern aus den USA und Luxemburg. Ein schöner Ort. Bei den Quellen von Ali Pascha essen wir nicht besonders schmackhaft zu Mittag. Wir bezahlen wieder mit Euro. Und laufen dem Wasser entlang. Eine Kuhherde weidet gleich nebenan. Der junge Stier kreuzt uns auf der engen Brücke. Wir spähen durch die kaputten Fenster der alten Mühle. Dem Tal entlang gehts zum Gërla Wasserfall. Wir stellen uns auf die Wiese mit Sicht auf die umliegenden Berge. Der Platz gefällt uns so gut, dass wir hier übernachten wollen.
Auf eine wunderbar ruhige Nacht...
Es gewittert. Die Kinder spielen auf dem Kinderspielplatz der nahen Gaststätte. Schnudderalarm. Gleich neben uns verläuft der Fluss. Den kühlen regnerischen Abend verbringen wir mit Gesellschaftspielen und Malen im Wohnmobil. Kian malt ein Bild von Baba mit Schnuddernase. Die Kinder dürfen sich ein neues Globihörbuch aussuchen. Gleich neben uns hat eine Familie aus Deutschland ihre Zelte aufgestellt. Sie sind nach ihrem Strandurlaub nun vier Tage auf dem Peaks of the Balkans Trail unterwegs. Abends holen die Einheimischen ihre Schafe und Kühe von der Weide. Der Morgen ist nebelverhangen. Wir füllen unsere Flaschen an einer der zahlreichen Quellen. Eine Montenegrinerin, welche in Zürich lebt erzählt uns viel Wissenswertes über ihre Heimat. Beim Abwasch im Fluss holt sich Omid einen nassen Schuh, respektive Fuss. Wir wandern zum blauen Auge. Eine eindrückliche Quelle. Eiskalt. Dort treffen wir auf ein Juristen-Paar aus Israel, welches drei Wochen Montenegro bereist. Es sind ihre Flitterwochen. Wir musizieren zusammen mit ihren mitgebrachten Ukulelen, Kazoos und einer Rassel. Sie sind begeistert ab der gemeinsamen Schatzsuche im Wäldchen. Shayan macht immer wieder Fotos von uns mit seinen Stecken. Wir kommen kaum vorwärts. Wieder zurück essen wir im Gasthaus superlecker montenegrinische Polenta und frischestes Fladenbrot zu Mittag. Eigentlich haben wir uns nur von Brot ernährt. Wir mussten lange genug auf das Essen warten. Die Kinder hüpfen auf dem Trampolin und spielen im Sandkasten mit den lädierten Spielsachen. Wir geniessen die Idylle. Wir verabschieden uns von dem tollen Plätzchen und fahren nach Plav.
Kian malt seinen ersten Baum.
Der Campingplatz Lake Views dort ist gut gefüllt mit Bikern und Wanderern. Unsere Kinder sehen den Spielplatz und waren nicht mehr gesehen. Wir haben uns eben gerade eingerichtet da passiert es - Shayan reisst sich an der selbstgebastelten Metall-Ritiiseilikontruktion einen Teil des Mittelfingers der rechten Hand ab. Omid sieht nur noch Blut und rennt schnellstens zu Mami. Kian schreit aus Mitgefühl noch mehr wie Shayan, der sich unter Schock befindet. Nach der ersten Hilfe im Wohnmobil fährt uns der Campingwart sofort zum nahen Krankenhaus. Wir sind froh, hat es im Ort überhaupt ein Krankenhaus, nachdem wir vorher Wochenlang weit entfernt der Zivilisation unterwegs waren. Doch haben wir uns zu früh gefreut. Im Krankenhaus ist nämlich kein Arzt anwesend, welcher sich der Verletzung annehmen könnte. Es wird somit nur ein Verband für den Transport angelegt und eine Überweisung an das General Hospital in Berane geschrieben. Wir sind froh, konnte der Campingwart den Unfallhergang schildern. Shayan meint immer wieder sein Finger sei tot. Auch Omid beschäftigen die Bilder des abgerissenen Fingers. Da es schon am Eindunkeln ist, beschliessen wir die 40 Kilometer zum Spital selber mit unserem Wohnmobil zu fahren, um dort allenfalls auch übernachten zu können. Wir sind erleichtert, als wir das kleine Spital, welches in einem sehr schlechten Zustand ist, verlassen können. Es war menschenleer. Die medizinischen Geräte haben unsere Vorstellungen weit übertroffen. Und das nicht im positiven Sinne. Endlich in Berane angekommen (Omid hat sich so gut es ging an die Tempolimiten gehalten - Kian ist unerlaubterweise vorne gesessen …) suchen wir den Notfall auf. Auch das General Hospital ist menschenleer. Irgendwo entsorgen Männer in Schutzanzügen Asbestplatten? Wir trauen uns fast nicht an die Tür des einzigen Zimmers mit Licht zu klopfen. Schlussendlich platzen wir direkt in eine Behandlung an der offenen Hand. Der Mann ist kreidebleich. Überall hat es Blut. Man bittet uns noch eine Minute zu warten. Später dürfen wir endlich eintreten. Der Assistent spricht erstaunlich gut Englisch. Ganz im Gegensatz zum Herrn Doktor. Man versichert uns, dass unser Sohn beim Direktor der Klinik (welcher heute Dienst hat) bestmöglich aufgehoben sei und der Finger sogleich genäht würde. Besser so, denn so haben wir keine Möglichkeit weiter über die Situation nachzudenken. Röntgen sei nicht nötig.
Sonntagabends im Notfall.
Der Boden ist von der vorhergehenden Operation noch immer blutverspritzt. Ohne Betäubung wird die abgerissene Fingerkuppe wieder über den Knochen gehoben und mit zwei Stichen angenäht. Shayan meint dazu nur der Doktor tue ihm weh. Kian musste mit Baba den Raum verlassen. Er litt zu sehr mit. Es werden Antibiotika und Schmerzmittel verschrieben und wir werden gebeten in drei Tagen zur Kontrolle und Verbandswechsel wieder zu kommen. Den Nagel haben wir am Boden des Notfalls zurücklassen müssen, wie Kian bemerkt. Die Behandlung war umsonst. Beide Ärzte konnten nicht glauben, dass wir in Montenegro Ferien machen. Ob wir auch wirklich keine Verwandtschaft hier hätten. Nach uns kommt einer mit einer Kopfverletzung und ein Junge mit offenem Ellbogen. Kian hat viele Fragen. Wir essen im Wohnmobil Glacé und fahren nach dem Besuch in der Apotheke zurück auf den Camping. Kian ist schon bald erschöpft in seinem Sitz eingeschlafen. Shayan versucht noch bis nach Mitternacht die Erlebnisse zu verarbeiten. In der Nacht plagen ihn Albträume. Wir sind noch immer irritiert ab der hiesigen medizinischen Versorgung. Zusammen bewundern wir schlaflos die Perseiden am Nacht-Himmel. Ich hab mir was gewünscht. Nebel am Morgen. Shayan hat Schmerzen. Beide Kinder müssen sich nun zusammenreissen. Kian verzichtet Shayan zuliebe auf das Trampolin springen. Und auf das Baden im See. Das mit dem nicht Ärgern fällt schwer. Die Jungs gehen für 3€ zum Frisör. Die Frisur ist anders wie bestellt, aber wer will bei dem Preis schon was sagen.
Die 3 € Frisur.
Omid trifft derweil auf einen in Deutschland lebenden Montenegriner, welcher ihn in die hiesige Kultur einweiht. Über 70 % der Einwohner von Plav seien ausgewandert und nur in den Sommermonaten auf Besuch in der Heimat. Deshalb sei wohl das hiesige Krankenhaus auch leer. Wir sehen Paraglider. Wir versuchen Shayan mit der Trinkflasche so gut es geht abzukühlen. Und müssen immer wieder den Spielplatz passieren. Wir treffen auf Schweizer, welche gerade zehn Tage die Peaks of the Balkans erwandert haben. Eine deutsche Familie ist drei Wochen durch den Balkan unterwegs. Die guten Gespräche lassen die Zeit bis zum morgigen Arztbesuch schneller vergehen. Später sitzen wir zu zweit noch zusammen und diskutieren den weiteren Verlauf unserer Reise. Der gleichaltrige Deutsche Junge, ist untröstlich, als Kian am frühen Morgen bereits weiterreist. Die Landschaft ist nebelverhangen. Wir passieren trockene Flussbetten. Der Friedhof ist voller Grabsteine aus schwarzem Basalt. Auf die Minute schaffen wir es wie vereinbart in den Notfall, wo wir vom englischsprachigen Assistenten empfangen werden. Zu unserem Erstaunen (und Freude) lebt das Spital heute. Überall sind Menschen. Der Notfall ist voll. Es hat sogar einen Empfangsbereich. Sogleich nimmt uns der Assistent mit zum Herrn Direktor, welcher sich wiederum sofort Zeit nimmt, um sich den Finger anzusehen. Ohne mit der Wimper zu zucken reisst er Shayan den Verband herunter. Der Finger sieht gut aus. Endlich werden wir zum Röntgen geschickt. Auch hier keine Wartezeit. Nach einem überbelichteten Bild, klappt es dann beim zweiten Anlauf. Ohne Schutzkleidung. Nichts gebrochen. Wir atmen auf. Der Assistent, welcher in der ganzen Zeit nicht von unserer Seite weicht, meint es müsse nun alle zwei Tage der Verband gewechselt werden. Wir beschliessen deshalb auf direktem Weg nach Österreich zu fahren, um die Nachversorgung dort machen zu lassen. Obwohl der Assistent abermals beteuert, dass die Behandlung kostenlos sei, geben wir gerne was für die Kaffeekasse. Er meint, er würde von dem Geld ein Frühstück für das Team ausgeben. Durch das Gebirge gehts für uns nach Serbien. Unkomplizierter Grenzübergang mit kurzer Wartezeit. Montenegro, wir kommen wieder. Es gibt ein ungesundes Frühstück für alle während der Fahrt. Globis abenteuerliche Schweizer Reise läuft im Hintergrund. An Skigebieten vorbei. Durch unbeleuchtete Tunnel. Alle sind hungrig. Oder ist es allen nur langweilig. Endlich finden wir einen komplett zugemüllten Parkplatz um uns etwas zu Mittag kochen zu können. Fünf Minuten weiter hätte es unterhalb der Festungsanlage Maglič eine Gaststätte gehabt. Wir fahren auf mautpflichtiger Autobahn. Mit Soundstreifen. Kian ist entzückt und singt mit. Shayan schläft. Kurz nach Belgrad bleiben wir auf dem Camping Zasavica (19€). Er liegt schön in die Natur eingebettet. Kühe laufen vorbei. Gerne wären wir hier länger geblieben. Die Jungs brauchen nach einem Tag Autofahrt dringendst Bewegung. Es dunkelt schon ein. Wir fahren Velo. Rennen herum. Zum Zmorge gibts leckere Schokoladengipfeli. Wir vereinbaren einen Termin mit einer Kinderärztin in Klagenfurt. Die Autobahnraststätten haben alle ein Toi-Toi WC. Wir befinden uns auf dem Weg nach Zagreb. Nach dem Frühstück in Serbien folgt ein ewig langes Warten an der Grenze zu Kroatien (2h). Es hat praktisch nur deutsche, Schweizer und italienische Kennzeichen. Alles Sommeferienheimkehrer aus dem Balkan. Endlich kurz nach der Grenze gibts ein Mittagessen in Kroatien. Der Zvieri folgt in Slowenien. Wir versuchen uns die Fahrzeit mit Singen und Hörbüchern, Lesen und Spielen totzuschlagen.
Dank EU-Roaming kommt Sam der Feuerwehrmann direkt auf die Autobahn.
Beinahe hätten wir so vergessen die Vignette für Slowenien zu lösen. Es ist spät, als wir endlich den Camping Wörthersee in Klagenfurt erreichen. So ohne Vorreservierung haben wir nicht mehr viele Möglichkeiten meint die Frau an der Rezeption. Bei 420 Plätzen. 48€ kostet uns der Platz. Die Minigolfanlage gleich daneben. Der Camping ist voller Österreichischer, Deutscher und Italienischer Familien. Die gegenüberliegende Badeanstalt ist überfüllt. Im Campingrestaurant essen wir zu Abend. Alle sind müde. Wörthersee Peter spielt viel zu laute Musik. Zumindest Kian schunkelt mit. Baba bestellt voller Freude ein extragrosses Wiener um dann merken zu müssen, dass damit keine Wienerli, sondern ein riesiges Wiener Schnitzel gemeint ist. Mami hats dann gegessen. Frühmorgens gehts mit dem Taxi, welcher den Campingplatz nicht gefunden hat in die Innenstadt. Die Kinder sind erfreut ab der tollen Praxis. Genauer ab all den vielen Spielsachen. Sogleich kommen wir dran. Hier trauen sie sich nicht am Verband zu ziehen und es dauert deshalb eine Ewigkeit, bis der Finger endlich frei liegt. Die Ärztin ist über den Heilungsverlauf zufrieden und geschockt ab unserer Geschichte. Wir werden gebeten in drei Tagen wieder zu kommen. Wir schlendern ein wenig durch die Stadt. Es gibt neue Schuhe und Hosen für die Kinder. Gegen Abend kommen Martina und ihre Tochter vorbei. Martina hat einige Jahre zusammen mit Mami gearbeitet und lebt jetzt wieder in Klagenfurt. Es gibt viel zu erzählen. Die Kinder verstehen sich gut. Wir werden für den kommenden Abend zum Grillieren eingeladen. Am Samstag kaufen wir ein neues Velo für Mami. So gegen Saisonende kann man Schnäppchen machen. Nun nennt Mami ein Österreichisches Velo ihr eigen. Zum Mittagessen gibts Frankfurter und Kartoffelsalat. Wir verbringen einen gemütlichen Abend bei Martinas Familie daheim. Leckeres Essen und gute Gespräche. Sie geben uns gute Tipps für Ausflüge in die Umgebung. Fast wäre dabei die Wohnung abgebrannt. Wir kehren erst zu später Stunde zum Wohnmobil zurück. Wir haben uns mit den dreien zum Wandern am nächsten Morgen verabredet. Shayan ist noch ganz aufgedreht. Er spielt seit Tagen Arzt. Nachdem wir ausgeschlafen haben, packen wir Proviant ein und fahren gemeinsam zur Tscheppaschlucht (8.5€). Wir laufen dem Fluss entlang in die Schlucht hinein. Immer wieder stürzt ein Kind und muss getröstet werden. Die Kinder erfrischen sich ihren Kopf im Fluss. Ein abenteuerlicher Weg. Viele Treppenstufen sind zu bewältigen. Plötzlich Steine von oben. Martina wird am Oberschenkel getroffen.
Kians aktuelle Lieblingsbeschäftigung: Wandern.
Znüni auf einem Inselchen im Fluss. Die Kinder lieben es durch das kalte Wasser zu waten. Barfussweg. Die Wasserfälle sind schön anzusehen. Dunkle Wolken ziehen auf. Den Zmittag verspeisen wir auf einer kleinen Lichtung. Mit natürlicher Steinrutsche. Gerade als es zu tröpfeln beginnt erreichen wir das Gasthaus Deutscher Peter. Dort gibts Glacé und Sachertorte für alle. Schon kurze Zeit später fährt uns ein Extrabus zurück zum Parkplatz. Beim Camping stossen wir auf den gelungenen Ausflug an. Die Kinder sind nicht mehr vom Spielplatz wegzukriegen. Unsere Jungs freunden sich mit dem Hund der englischen Nachbarn an. Cookie mag gerne Cookies. Und das sieht man ihm auch an. Zweigelt zum Abendessen. Wir  fragen, ob der gegenüberliegende Schattenplatz auch zu haben ist, um dann zu erfahren, dass der sogar 4€ weniger kostet. Wir begeben uns zu einem erneuten Verbandswechsel in die Praxis in der Innenstadt. Die Kinder stören sich nicht ab der längeren Wartezeit. Mami geniesst es wieder einmal Schundhefte lesen zu können. Nachher gibts für alle ein Glacé bei Arcobaleno. Den Rest des Nachmittags geniessen wir an unserem Schattenplatz. Wir beobachten die Leute beim Kommen und Gehen. Am Abend fahren wir mit den Velos dem Kanal entlang. Kaufen ein Brathändl (nicht zu verwechseln mit Backhändl) und verspeisen es am grossen Spielplatz. Mit Wasserspiel. Dunkelrutsche. Und und und. Natürlich konnten die Kinder nichts essen. Nass (nicht durch Schweiss) fahren wir zurück zum Campingplatz. Die Kinder bemalen unseren Zufahrtsweg mit Kreide. Spielen Himmel und Hölle. Kian holt sich das Frühstückbrötchen im Laden selbst, nachdem Baba das falsche gebracht hatte. Bald soll das Wetter schlechter werden. Grosser Waschtag. Zu Fuss gehts zum Minimundus (15€). Trotz Wörthersee Plus Karte. Die Modelle sind interessant und machen Lust auf weitere Reisen, aber schlecht und mit wenig Liebe zum Detail gebaut. Die Kinder haben am meisten Freude an den Modelleisenbahnen und der Spaceshuttle-Startsimulation.
Tschipfu, tschipfu d'Isäbahn chunnt...
Und dem Spielplatz. Shayan spielt Pilot in dem ausgestellten Teil eines Flugzeuges. Auf dem Rückweg machen wir noch einmal Halt auf dem grossen Europa Park Spielplatz. Erst zum Sonnenuntergang sind wir zurück am Platz. Kian freut sich ab den Geschichten im neuen Vorlesebuch. Er schreit die Bildbegriffe förmlich in mein Ohr. Bei herrlichstem Wetter fahren wir mit den Velos der Nordseite des Sees entlang. Ein toller Veloweg. Wenig Steigung. Wenig Verkehr. Beim Parkhotel in Pörtschach machen wir eine Pause auf dem Spielplatz bevor es mit dem Schiff zurück nach Klagenfurt geht. Das Schiffspersonal ist unfreundlich. Die angebotenen Sandwiches lieblos serviert. Bereits wieder an Land gönnen wir uns ein kärntnerisches Glacé. Und dann gehts mit den Velos weiter zum gemütlichen Znacht mit Martina und ihrem Mann. Glücklicherweise schaffen wir es einen Tisch direkt neben dem Spielplatz zu ergattern. Die Kinder sind nachher voller schwarzem Sand. Und schon gilt es sich wieder zu verabschieden. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen. Wir sind beim Arzt. Zum Fäden ziehen. Ab jetzt ist Mami für die Verarztung zuständig.
Viel Geduld beim Verbandswechsel.
Wir beschliessen unsere Reise fortzusetzen. In der Apotheke decken wir uns mit Verbandsmaterial ein. Und kaufen gleich noch einen Bite Away. Für alle Fälle. Frühmorgens herrscht Radau im Wohnmobil. Shayan ist überzeugt jetzt seine Trekking-Schuhe tragen zu müssen. Wir verlassen Klagenfurt. Weiter geht die Reise.

Samstag, 11. August 2018

Der Norden Albaniens - Von Wölfen und Bären

Durch Tirana gehts an den Seen vorbei nach Krujë. Die Autos überholen von rechts und links. Es herrscht viel Verkehr. Und noch mehr Gehupe. Der Camping Kruje (10€) wurde uns empfohlen. Er ist toll gelegen. Mit freier Sicht auf die Berge. Der Besitzer ist sehr interessiert. Wir führen tolle Gespräche. Sein Nachbar mag unseren Kian für unseren Geschmack ein wenig zu sehr. Ein kühler Abend mit schönem Sonnenuntergang. Die Nacht ist ruhig. Nur die Italiener im Konvoi, welche auch noch auf dem Platz stehen stören ein wenig die Idylle. Sie hatten mehr vom Camping erwartet und lassen das den Besitzer spüren. Früh brechen wir auf, um die Festung zu besichtigen. Das imposante Skanderbeg Museum zeigt die Geschichte vom Nationalhelden (2€). Hier wurden schliesslich erfolgreich die Ottomanen zurück geschlagen.
Ehrfürchtig. Wer findet Skanderbeg?
Der Basar hat leider vor allem Ramsch zu bieten. Man müsste wohl sehr suchen um auf richtige Trouvaillen zu stossen. Kian möchte so gerne eine der farbenfrohen Plastikflöten haben. Zurück beim Parkplatz hören wir per Zufall wie der Parkwächter einem ankommenden Autofahrer einen anderen Preis nennt und bezahlen dem etwas verdutzten Mann selbstverständlich den geringeren Preis. Weiter gehts den Berg hoch zu einem Bektaschi -Wallfahrtsort bei einer Quelle. Einheimische Pilger schenken unseren Kindern zwei Kerzen, die sie gerne entzünden. Eine steile Treppe führt hin. Die Aussicht ist gigantisch. Man sieht die Kalkabbaugebiete der Umgebung. In einem der Restaurants essen wir gemütlich unter einem Sonnenschirm zu Mittag. Die Summe am Ende auf der Rechnung ist nicht entsprechend den Preisen auf dem Menu. Von uns gibts deshalb kein Trinkgeld. Omid erkundigt sich erstmals über die HDC-Funktion des Citroëns. Entsprechend langsam, aber sicher gehts damit die kurvenreiche Strasse zurück nach Krujë auf den Camping. Unsere Italienerkollegen sind leider immer noch auf dem Platz. Mit ihren vier grossen Hunden, welche sie überall herumlaufen, hinkacken und hinbislen lassen. Später kommt noch eine Familie aus dem Tessin mit ihrem Offroader dazu. Zusammen verbringen wir einen gemütlichen Abend. Die Kinder aus dem Dorf kommen zum Spielen vorbei. Sie gehen sehr rücksichtsvoll mit unseren Kindern um. Und probieren mehr oder weniger erfolgreich ihr Schulenglisch aus. Vom Campingwart kriegen wir Salbei aus dem Garten mit auf den Weg. Und frisch gepflückte Feigen und Kornelkirschen.
Diskussion über Gott und die Welt von Kian festgehalten.
Uns ziehts weiter nach Norden. Auf modernen Strassen. Überfahrene Igel, Katzen und Hunde am Strassenrand. Der Camping Riviera (13€) in Shengjin hat einen grossen Pool und eine Waschmaschine. Was will man mehr. Kian lernt in den nächsten Stunden Schwimmen. Und mehrere Meter weit zu Tauchen ohne Flügeli. Vom Ein-Meter-Brett probiert er verschiedene Variationen der Arschbombe aus. Er hat sich die Sprünge von den Jugendlichen abgeschaut. Shayan freut sich ab dem Spielplatz. Er hat sich erneut sämtliche Mückenstiche aufgekratzt und deshalb Badeverbot gekriegt. Als Abends endlich die Rasensprenger angehen ist er der Erste welcher über die Wiesen rennt. Und vor Freude quietscht. Es läuft Pop-Musik. Laute Pop-Musik. Die Kinder schauen am Morgen noch selber Bilderbücher an, bis wir wach sind. Bisher hat unser Tag immer mit dem Satz gestartet… “Und Mami, was machen wir heute”. Auch den nächsten ebenfalls unglaublich heissen Tag verbringen wir am Pool. Kian springt und springt vom Sprungbrett. Den ganzen Vormittag über haben wir das Becken nur für uns alleine. Wir müssen ihn nur mit ein paar ertrinkenden Wespen teilen, welche wir wann immer möglich zu retten versuchen. Es ist annähernd 40° Celsius heiss. Der Betonboden reflektiert die Sonne noch zusätzlich unerträglich. Das Trinkwasser hier hat einen Ölfilm. Wir buchen die Fähre über den Koman-See. Um dann merken zu müssen, dass es wohl an diesem Tag regnen wird. Kian malt gerade sehr gerne verschiedene Männchen. Einen Kian-Minion zum Beispiel mit nur einem Auge. Oder einen Baba mit Bart. Die Hitze, vor allem über Nacht, ist schier unerträglich. Uns ziehts deshalb in die Berge. Unterwegs sehen wir viele Polizeikontrollen. Die Polizisten stehen dabei nicht strategisch gut, sondern überwiegend im Schatten. Und winken uns (trotz etwas zu schnellem Tempo) zu. Es läuft Globi bei den Rittern. Shayan kann schon alle Lieder mitsingen. Er entfernt seine Pflaster sobald wir wegschauen. Seine Wunden scheinen ihm aber zumindest unangenehm zu sein. So geht er ohne seine langen Hosen trotz der Hitze nicht aus dem Wohnmobil. Frauen mit ihren schönen Trachten sind unterwegs. Viele schützen sich mit einem Sonnenschirm vor der Sonne. Und schon wieder schafft es ein Tankwart unseren Tank bis zum Überlaufen zu betanken. Wir hätten es nicht für möglich gehalten. Wir befinden uns auf der Suche nach Ersatzleuchten fürs Auto, welche in Montenegro Pflicht sind. In einer Autogarage bekommen wir (mit Hand und Fuss) zumindest einige der Leuchtmittel. Die Strasse führt dem Drin Fluss entlang. Und dann sehen wir bereits den See. Es hat Fischzuchten. Kian sieht überall reife Brombeeren vom Fenster raus und möchte anhalten. Der Zustand der Strasse wird immer schlechter. Auf dem Camping Natura gleich neben und unter der abbruchreifen Brücke gelegen (10€) stehen wir unmittelbar unter der Starkstromleitung. Wir hören sie förmlich. Aber immerhin hat es Schatten. Und der Fluss zur Abkühlung ist auch gleich daneben. Ein gemütlicher Zmittag auf dem Platz. Nebenan jagt ein Welpe ein Entenkücken. Wir kriegen vom Besitzer frische Trauben geschenkt. Kian wird auf dem Spielplatz unglücklich von einer Biene in die Nase gestochen und ist untröstlich. Die Mitcampeure wollen uns alle ein Medikament zur Schmerzlinderung anbieten. Über dem Tal hören wir das Gewitter. Die Entenschar kann wegen unserem Wohnmobil ihren gewohnten Weg nicht mehr gehen und überlegt lange. Für den kommenden Morgen stellen wir unseren Wecker. Bereits um 09.00 Uhr nämlich geht die Fähre nach Fierzë. Kian ist dann bereits vor uns allen wach. Er freut sich dermassen auf die Überfahrt und ist dafür extra früh ins Bett gegangen. Wir bereiten das Morgenessen und einen Znüni vor und fahren dann die gut überwachte (da Kraftwerk), neue Strasse zum Koman-See hoch. Nur mit Hilfe von Brettern schaffen wir es ohne unsere Treppenstufe abzutrennen auf die Berisha-Fähre (70€).
Milimeterarbeit. Kian kann kaum hinsehen.
Wir erwischen einen super Platz in der Mitte der Fähre, wozu wir die ganze Überfahrt lang Zugang zum Wohnmobil haben. Was für eine tolle Kulisse. Eine Schweizer Familie ist seit einer Woche unterwegs und auf dem Weg in den Kosovo. Kian malt für sie Bilder und die Kinder spielen bei uns im Wohnmobil. Die Jungs schauen dem Kapitän zu. Der fährt zu lautester Pop-Musik. An Felsen vorbei. Ein herrliches Lüftchen weht. Vereinzelt nur sieht man Landwirtschaftsbetriebe. Die Sitzplätze sind gut von Tagestouristen und Backpackern besetzt, weshalb wir froh um unsere bequemen Stühle im Wohnmobil sind. Nach kurzweiligen drei Stunden Überfahrt erreichen wir Fierzë. Zum Glück ist das abfahren über die nicht geteerte Anlegestelle dann doch leichter als gedacht. Über Bajram Curri fahren wir dann ins Valbona Tal. Dort wurde uns das Gasthaus Rilindja empfohlen. Um auf den Platz zu gelangen müssen wir einen Bach durchfahren. Wasserüberquerung für Anfänger. Wir treffen das Lastwagenwohnmobil von Berat wieder. Das deutsche Paar ist in entgegengesetzter Richtung unterwegs. Und möchte nachher wie wir durch das Inland von Montenegro reisen. Im Restaurant essen wir unterdurchschnittlich zu Mittag. Es gibt albanisches Raclette und Ofenkartoffelchips. Die Forelle kommt auch hier direkt aus dem Zuchtbecken vor dem Haus. In einem der unbenutzten Becken schwimmt eine tote Katze. Das Personal ist unfähig oder einfach unfreundlich. Den Nachmittag verbringen wir dann am eiskalten Fluss. Kian baut einen Steg, welcher dann von allen Mitcampeuren rege genutzt wird. Immer wieder tröpfelt es leicht.
Unser lauschiges Plätzchen.
Wir haben Shayan mittlerweile komplett einbandagiert. Vielleicht lässt das seinen (Mückenstich-) Wunden genügend Zeit um zu heilen. Eine Kuhherde besucht uns am Platz. Rundherum majestätisches Bergmassiv. Es gibt frisch gebackenes Brot zum Zmorge. Es hat seinen Preis. Omid wurde gefragt ob er einen ganzen Laib will. Nun gibt es wohl ein paar mal Brot mit Käse zum Znacht. Wir sehen Wespennester am Fluss. Mückenalarm am Abend. Shayan hat etwas Fieber. Über Nacht kühlt es angenehm ab. Kian klaut in der Nacht Shayans Bettdecke nachdem ich vergessen hatte ihm seine für die Nacht zu geben. Die Wespen nerven während dem Frühstück. Die Brämen lassen sich derweil an unserer Sonnenstore nieder. Wir basteln Wanderstöcke. Wir schnitzen Initialen ein und Muster. Und dann geht es los dem Fluss entlang nach Valbona. Wir laufen durch verwunschene Wälder. Moosbewachsene Bäume und Steine. Pilze hat es überall. Und Hagebutten. Und Holunder. Und reife Brombeeren. Endlich. Zum Pflücken für Kian. An einem kleinen See essen wir einen Znüni. Wir sehen Frösche und Kaulquappen im Wasser. Eine Schlange kriecht an einem der moosbewachsenen Bäume neben der Wanderwegmarkierung. Wir sind begeistert, wie gut die Kinder mitlaufen. Kian freut sich immer, wenn er die nächste Wanderwegmarkierung findet. Und zählt die Markierungen mit. Am Wegrand liegt eine tote Fledermaus. Wir sehen einige grosse, noch nie vorher gesehene Käfer.
Unterwegs durch die Wälder.
In Valbona essen wir im Restaurant Tradita frisch gebratenes Lamm vom Spiess. Die Schafherde grast daneben. Die zahlreichen Wespen versuchen wir in den Gläsern zu fangen. Es ist von Vorteil kein Süssgetränk zu konsumieren. Es tröpfelt immer wieder leicht. Auf dem Nachhauseweg sammeln wir Holz für das Lagerfeuer. Es sind viele neue Campeure gekommen. Die meisten im VW-Bus. Es ergeben sich nette Gespräche am Lagerfeuer. Zum Glück ist es ein anderer, welcher den ganzen Platz ausräuchert. Immerhin hilft der Rauch gegen die Wespen. Shayan ist verschnupft. Wir füllen unsere Flaschen mit Quellwasser. Unsere Lebensmittel werden langsam alle. Wir bestellen uns deshalb ein Lunch-Paket für den nächsten Tag (3.5 €). Die Kinder wollten die Wurst dann am Liebsten schon vor der Wanderung verdrücken. In entgegengesetzter Richtung zum Vortag geht es dem Fluss entlang zum Wasserfall. Senkrecht gehts zum Teil an uns herunter. Manchmal ist der Weg kaum noch auszumachen im Dickicht. Wir sehen Bärengaggi. Was wir aber erst nach nach der Wanderung ergoogelt haben. Man hat uns am Vortag von Wölfen und Bären hier erzählt.
Da sind also die reifen Brombeeren geblieben...
Immer wieder werden wir von Dornenbüschen gepieckst. Picknick gibts dann endlich am kleinen Wasserfall. Das Wasser ist einkalt. Es reicht zum Plantschen. Wohl eher Kneipen. Kian läuft die insgesamt 13 Kilometer souverän. Von Brombeerstrauch zu Brombeerstrauch. Zum Zvieri kehren wir in der einzigen Raststätte, welche wir unterwegs finden konnten ein. Es gibt ein Glacé für alle. Auf dem Spielplatz hat es ein Spielflugzeug. Ausser in der Raststätte, haben wir wie bereits am Vortag keine anderen Menschen getroffen. Nur Schmetterlinge. Bienen an den tollsten Blumen. Vereinzelt Tausendfüssler. Tausende Pilze. Und Steine. In allen Grössen und Formen. Und so toll zum in den Fluss werfen. Abends gibts eine Dusche für alle. Die Duschen hier sind endlich mal für Familien geeignet. Genug gross und sogar mit zwei Duschköpfen versehen. Der Campingplatz füllt sich zusehends. Ein toller Sternenhimmel über der klaren Nacht. Wir fahren zurück nach Bajram Curri und erledigen dort den längst fälligen Einkauf. Die Jungs sehen im Ort ihren ersten 6x6 Quad. Ein streunender Hund mit übler Fussverletzung überquert die Strasse. Shayan möchte ihn gerne mitnehmen zu einem Mechaniker. Um ihn zu reparieren. Am Staudamm vorbei gehts auf gut ausgebauter Strasse weiter nach Fierzë. Es hat wenig bis keinen Gegenverkehr. Im Hotel Alpin essen wir zu Mittag. Ausnahmsweise steht Reis auf dem Menu. Und Forelle aus der eigenen Zucht. “Wie Globi Ritter wurde” auf der Weiterfahrt. Wir fahren durch Wälder. Es herrscht Stille. Man hört zu meinem Erstaunen keine Vögel. Und sieht auch keine. Wir singen. Die Sonne brät unerträglich auf unser Wohnmobil nieder. Auf einer Lichtung ab der Strasse stehen wir über Nacht. Mit toller Aussicht über das Tal. Und in absoluter Stille. Kian malt gerade fleissig Vögel. Kanarienvögel und einen “Keinschnabelvogel”. Und Bäume. Zum Dessert gibts heute frischgesammelte Brombeeren.
Selbstgejagtes Dessert.
Kleine Stechmücken machen uns die Nacht zur Hölle. Dafür ist der Morgen umso idyllischer. Shayan hustet mittlerweile und wir anderen sind auch leicht erkältet. Er fällt in einen Dornbusch. Nicht ganz freiwillig. Danach müssen wir ihm zahlreiche Spiesen aus der Fusssohle holen. Er zuckt dazu kaum mit der Wimper. Heute gehts nach Shkoder. Shayan versucht seit Tagen seinen Willen mit lautem Gebrüll durchzusetzen. Ein greiser (und wohl auch sehr schlecht sehender) Mann verwechselt unser Wohnmobil mit einem Sammeltaxi. Bei einem Velohändler kaufen wir für mein Fahrrad einen Sattel, welcher wie sich dann später herausstellt, leider trotz ausprobieren durch den Velomech nicht passt. Der Camping Legjenda (21€) ist gut besucht. Entsprechend wenig Schatten ist für uns übrig. Immerhin hat es auch hier einen Pool. Wir sind her gekommen um zu Waschen. Aber die verantwortliche Person meint trotz freier Waschmaschinen, dass wir zuerst noch jemand anderes waschen lassen müssen. Drei Stunden später ist aber noch immer niemand aufgetaucht… Wir sind genervt. Und beschliessen woanders zu waschen. Auch ein zweiter Velohändler hat nicht mehr Ahnung von Velos und verkauft uns eine andere Sattelstange, welche nur mit einem Hammer passend gemacht werden kann. Die Höhe ist nun nicht mehr einstellbar und das Velo somit nutzlos für mich. Wir sind enttäuscht ab der hiesigen Arbeitsweise. Da alle am kränkeln sind haben wir keine Geduld uns noch weiter darum zu kümmern. Beim Supermarkt finden wir in Shkoder keinen Parkplatz. Alles in allem ein viel zu heisser Tag zum Vergessen. Kian singt gerade gerne. Den Nachbarn stellt er Rechnungen fürs Abendessen aus. Shayan will keinen Mittagsschlaf mehr machen. Die Nacht über sinkt das Thermometer nicht unter 25° Celsius. Uns ziehts zurück in die Berge zumal wir von den von Norden kommenden Touristen nicht gerade erfreuliches über die Küstenstrasse von Montenegro gehört haben. Wir decken uns mit frischem Obst und Gemüse ein. Die Kinder kriegen jeweils eine Wasser respektive Honigmelone geschenkt. Wissen gar nicht, wo wir die hinstellen sollen. Wir fahren am Ort Hot vorbei. Er tut seinem Namen heute alle Ehre. Eindrückliche Serpentinenstrasse. Shayan darf vorne sitzen. Er redet ununterbrochen. Viele Hochzeiten. Zuvorderst im Autokonvoi der Kameramann aus dem Beifahrerfenster sitzend. Dahinter das Brautpaar mit reich mit Blumendekor geschmückten Auto. Dahinter die Internationale Gästeschar. Es werden Zigaretten geworfen. Eine Abkürzung an der Brautmenge vorbei erweist sich als Kratzbewährungsprobe für unser Wohnmobil. Beim Restaurant Selca Cem stehen wir über Nacht. Direkt neben dem Fluss gelegen. Angenehm windig. Zum Mittagessen gibts Fisch. Es spricht keiner Englisch. Shayan wird von einer Biene gestochen und reagiert nicht. Es wird schnell schattig. Wir lassen Kian nun die wichtigsten Film/Comic-Figuren kennenlernen. Nach Pettersson und Findus ist heute Sam der Feuerwehrmann dran. Zumal es hier gutes Wifi gibt.
Openair-iPad-Kino.
Kian hat sich einen Zeichenblock ausgesucht. Genug gross ist er allemal. Wir schicken eine Postkarte an seine zukünftige Kindergartenkollegen und Lehrerin. Das Foto hat er selber ausgesucht. Weiter Richtung Vermosh Tal werden wir fast in einen Verkehrsunfall verwickelt. Nur dank Omids schneller Reaktion streift ein uns auf unserer Spur entgegenkommendes Fahrzeug nur unseren Seitenspiegel. Wir sind nochmal alle mit dem Schrecken davon gekommen. Kian, welcher heute vorne sitzen durfte steht unter Schock. Baba flucht. Der andere Fahrzeughalter fährt ohne anzuhalten weiter. Noch vorsichtiger fahren wir weiter. Zuhinterst im Tal bleiben wir auf dem Camping des Peraj Guesthouse und wollen hier in der absoluten Abgeschiedenheit unsere letzten Tage in Albanien verbringen (12€). Wir richten uns unter Sauerkirschenbäumen ein. An einem Ast hängt ein Riitiseili. Es wird gerade das Gras mit der Sense gemäht. Die Kinder machen die Bewegungen mit ihren Stecken nach. Ein Lamm dreht am Spiess. Mittels der Autobatterie wird der Spiess angetrieben. Es herrschen herrlich kühle Temperaturen hier auf 1000 Meter Höhe. Es hat nur kleine Landwirtschaftsbetriebe hier. Ein paar Hühner, Schafe, Schweine und Kühe. Heuberge. Mittlerweile sind alle verschnupft. Die Kinder der Nachbarschaft kommen vorbei, um mit unseren Kindern und deren Spielsachen zu spielen. Wir hoffen, dass es die Fahrräder überleben. Es läuft dezente lokale Musik im Hintergrund. Die Jungs pflücken einen ersten Strauss für Mami. Bevor auch die letzten Quadratmeter der Wiese gemäht werden. Eine kalte sternenklare Nacht. Da mein Velo von keinem Nutzen mehr ist verschenken wir es an die Besitzer, welche sich sehr darüber freuen. Die Kilos können wir gut gebrauchen und plötzlich haben wir viel mehr Platz im Kofferraum zur Verfügung, da jetzt Kians Velo auf dem Veloträger mitfährt. Die Jungs spielen mit dem grossen Spielzeuglastwagen.
Abschleppdienst.
Sie helfen die Äpfel zusammenzutragen. Die Nasen laufen. Mit den übrig gebliebenen Fahrrädern gehts in den Ort zum Einkauf. Wir sind dabei die Attraktion und werden sogar fotografiert und gefilmt. Von Einheimischen. Der Laden hat dann nur Chips und Süssgetränke zu bieten. Zum Abendessen erhalten wir die letzte Portion des zarten Lamms. Längerer Stromausfall (3h) im ganzen Ort. Wäsche kann deshalb erst in der Nacht gewaschen werden. Leider ist die Spannung allgemein so schlecht, dass auch der Föhn nicht richtig funktioniert. Immer wieder hört man das Donnergrollen des nahen Gewitters. Wir kriegen frisch gebackenen Byrek geschenkt. 10 Minuten, bevor es Abendessen gibt. Die Kinder kriegen gesüssten Pfirsichsaft. Im 2 Liter Pack. Shayan läuft ohne Windel herum. Am Morgen ist unsere Wäsche klatschnass und seifig. Wahrscheinlich haben sie den Schleudergang aus Stromverbrauchsgründen gespart. Ein Deutsches Paar hat seinen Albanienurlaub gerade gestartet und nimmt dankend unsere letzten Lekë entgegen. Schweren Herzens verabschieden wir uns von Albanien und fahren auf ungeteerter Strasse dem Montenegrinischen Grenzposten entgegen. Wir haben neues Vokabular einstudiert. Die Grenzwächter sehen keinen Grund zur Eile. Da nützt auch ein netter Schwatz unseres Montenegrinischen Hintermanns mit dem Grenzwächter nichts, um vorzudrängeln. Jeder schön der Reihe nach.